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05. December 2019
in freiheit dressiert // being natural is simply a pose

 

Ort: Wächterstraße 11, 04107 Leipzig

Zeit: 19:00-21:00 Uhr


in freiheit dressiert // being natural is simply a pose

Vor 100 Jahren wurde gleichzeitig mit dem Bauhaus die Frauensiedlung Loheland gegründet, die sich einer ganzheitlichen durch Handwerk und Landbau flankierten Ausbildung von Frauen zu Bewegungs- und Gymnastiklehrerinnen widmete. Diese zu ihrer Zeit auch als Amazonen-Staat in der Rhön bekannte Siedlung beschrieb Ernst Bloch als eine „Reinigungsbewegung“, deren Bemühungen um eine Befreiung von zivilisatorischen Korsettagen durch das Freilegen „natürlicher“ Bewegungsabläufe zu dem Eindruck führe, die Loheländerinnen seien „in Freiheit dressiert“. 

In einem Projektseminar zur kuratorischen Forschung haben sich Studierende der Kunsthochschule Kassel unter der Leitung von Nanne Buurman mit den Parallelen zwischen historischen Praktiken der Lebensreform und heutigen Slow-and-Conscious-Living Trends beschäftigt. In kritischer Auseinandersetzung mit den politischen Ambivalenzen damaliger und gegenwärtiger Zurück-zur-Natur Bewegungen sowie deren Unmittelbarkeits-, Transparenz-, und Reinheitsvorstellungen fand vom 18.-22. November im study room in Kassel die Ausstellung „in freiheit dressiert // being natural is simply a pose“ statt, welche mit künstlerischen und kuratorischen Mitteln die Indienstnahme von Natur und Natürlichkeit durch (neu)rechte Bewegungen und neoliberales Nachhaltigkeitsmarketing und untersuchte.

Beim gleichnamigen Gastspiel in der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig am 27. November (17.00-19.00 Uhr) im Rahmen des Show and Try Again Programms anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Masterstudiengangs Kulturen des Kuratorischen unternimmt die Projektgruppe den Versuch, auf einer zeitgenössischen Re-Interpretation der Loheland’schen Körperpraktiken aufbauend die Spannungen zwischen Emanzipation und Essentialisierung, Nachhaltigkeit und Naturalisierung, Normativität und Emanzipation, Reproduktion und Reaktualisierung, Wiederholung und Differenz in einer performativen Ausstellung zur Aufführung zu bringen.


Ausstellung im study room

Ort: Untere Karlsstrasse 8, 34117 Kassel

Zeit: 18.-22. November 2019, 16-20 Uhr


Programm:

Mo 18.11.2019, 19:00 Uhr: Eröffnung u.a. mit Modern Myths von Johanna Brummack & Thea Drechsler und RE_SELLvon Rike Suhr

Di 19.11.2019, 20:00 Uhr: Gespräch mit Daniel Hornuff und Nanne Buurman zu Die Neue Rechte und Ihr Design

Mi 20.11.2019, ab 16 Uhr: Anna Fischer de Saa Breaking Landscape. Um 18h wird die Ausstellung geschlossen anlässlich der Veranstaltung Eine Frage der Haltung, Hörsaal der Kunsthochschule, Menzelstraße 18.30 Uhr

Do 21.11.2019, ab 16 Uhr: Detox Day mit Grüntee, Yoga und Veganen Snacks sowie Seven Days von Luna Hirt und Wahlverwandschaften von Alina Pia Preuß

Fr 22.11.2019, ab 19:00 Uhr: Finissage mit Musik von Thea Drechsler und Green Spirit von Pia Jansen & Mirjam Habtemichael, geöffnet ab 16h


Credits:

Die Ausstellung & Aufführung entstanden im Rahmen von Nanne Buurmans Projektseminar Kuratorischen Forschung an der Kunsthochschule Kassel im Zusammenarbeit mit Johanna  Brummack, Thea Drechsler, Anna Fischer de Saa, Mirjam Habtemichael, Luna Hirt, Pia Jansen, Alina Pia Preuß, Friederike Suhr, u.a. Kuratorische Beratung und Unterstützung: Jacob Birken

Realisiert im Austausch mit Elisabeth Mollenhauer-Klüber (Loheland Archiv) und Silke Mehrwald (Archiv der deutschen Frauenbewegung) sowie Beatrice von Bismarck, Benjamin Meyer-Krahmer, Julia Kurz, Agnieszka Roguski (Kulturen des Kuratorischen) und Merle Petsch, Katarina van den Brinck, Julie Högner, Ina Weisser (Try Day Gruppe des Projekts Show and Try Again).

Das Projekt wird finanziert durch QPL Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, QSL Mittel des Landes Hessen und den Fachschaftsrat der KHK.


Besonderer Dank an:

Nora Sternfeld, Carina Herring, Julia Stolba und Ina Wudtke (team documenta studien)

Für ihre wertvolle Hilfe danken wir außerdem: Matthias Sauer, Jascha Schieche, Michael Link, Marco Krummenacher und Kai Sonntag