Minna Henriksson, Bild aus Abstracta, 2018. Foto © Minna Henriksson

Kunst

Jedes Jahr wird ein/e KünstlerIn eingeladen, den Bereich der documenta studien durch eine künstlerische Forschungsarbeit zu erweitern. Die Forschungsergebnisse intervenieren in den Kontext des Archivierens und Ausstellens von Wissen unter postdigitalen Bedingungen.

Abstracta ist ein Online-Archiv, das die Künstlerin Minna Henriksson zusammengestellt hat, um die Politizität der abstrakten Kunst im Kontext des Kalten Kriegs zu thematisieren. Diese künstlerische Forschungsarbeit konzentriert sich auf die ersten drei documenta Ausstellungen der 1950er und 1960er Jahre. Seither war die Agenda der documenta nicht länger so stark von der Ideologie westlicher Abstraktion geprägt, sondern umfasste auch vermehrt realistische Tendenzen: Die vierte documenta (1968) zeigte die neuesten Trends der Pop- und Op-Art, unter anderem mit der Einladung der Gruppe Dvizhenie aus Moskau. Die fünfte documenta (1972) brach völlig mit Arnold Bodes und Werner Haftmanns Modernismus und umfasste unter anderem prominente Werke des Fotorealismus. Die sechste documenta (1977) zeigte trotz des Boykotts einiger westdeutscher Künstler schließlich Werke von DDR Künstlern. Viele der jüngeren documenta Ausgaben, wie die documenta X (1997), die Documenta11 (2002) und die documenta 14 (2017), haben die Grenzen der Institution als westeuropäisches, deutsches und hessisches Unternehmen auf unterschiedliche Weisen radikal in Frage gestellt.

Minna Henriksson ist Künstlerin und lebt in Helsinki. Ihre recherche-basierten und postmedialen Arbeiten umfassen Text, Zeichnung, Performance und Fotografie. In ihrer Kunst beschäftigt sie sich häufig mit der Frage von versteckt Politischem in vermeintlich neutralen, angeblich natürlichen Prozessen. Für das Schwedische Historische Museum in Stockholm arbeitete Henriksson an einem Projekt, das darauf abzielt, das Schweigen über „Rasse“ in nordischen Ländern in der zweiten Hälfte des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts zu brechen. Ihr laufendes theoretisches Interesse, das sie gemeinsam mit Sezgin Boynik seit 2006 verfolgt, gilt der Auseinandersetzung mit Nationalismus. Sie ist Mitherausgeberin von Art Workers — Material Conditions and Labour Struggles in Contemporary Art Practice, einer Publikation, die sich mit den prekären Arbeitsbedingungen von Kunst- und KulturarbeiterInnen in Finnland, Schweden und Estland befasst. Im November 2017 wurde ihr in Wien der Anni und Heinrich Sussmann Preis für Kunstschaffende, die sich der Demokratie und dem Antifaschismus verpflichtet fühlen, verliehen.